Who cares? Frauen! EU-Parlament beharrt auf EU Care Deal

21.05.2026

Deutschland diskutiert über die Bezahlbarkeit des Sozialstaats. Das Europäische Parlament stimmte soeben mit 263 Dafürstimmen für einen Bericht zu zentralen Ursachen sozialer Ungleichheit: den Gender Care Gap und den gesellschaftlichen Stellenwert von Pflege- und Sorgearbeit. Immer noch leisten vor allem Frauen den Großteil dieser Arbeit - Milliarden von Stunden, häufig un- oder unterbezahlt, zumeist ungesehen und unhinterfragt.

Der Initiativbericht des EU-Parlaments fordert die Mitgliedstaaten und EU-Kommission zu einem grundlegenden Kurswechsel in der Be- und Entlohnung von Care-Arbeit auf. Dabei geht es um mehr öffentliche Investitionen in Kinderbetreuung und Altenpflege, bessere Arbeitsbedingungen und Elternzeitmodelle sowie einen stärkeren sozialen Schutz für informelle Pflege- und Betreuungspersonen.
Die fremdenfeindlichen Änderungsanträge der Patrioten konnten verhindert werden.

Katrin Langensiepen, Grüne Schattenberichtserstatterin und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten im Europaparlament, fordert spürbare Verbesserungen:

Der Gender Care Gap ist ein vielfach ignorierter Skandal. Frauen leisten Milliarden unsichtbarer Stunden, während Männer sich entweder noch um die Verantwortung drücken oder die Arbeitsstrukturen gegen sie arbeiten.

Statt für diese gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit entlohnt zu werden, werden Frauen faktisch bestraft: 25% Rentenlücke, Altersarmut, Karriereende, chronischer Stress sind die Konsequenz.

Der Bericht begrüßt daher ausdrücklich den Vorschlag eines EU Care Deals. Entscheidend ist jetzt, dass die Kommission diesen bis 2027 vorlegt und mit einem legislativen sowie finanziellen Paket ausstattet. Bedauerlich ist, dass weitergehende Präzisierungen dazu in gemeinsamen Änderungsanträgen mit der S&D abgelehnt wurden.

Die EU, vor allem aber auch die Mitgliedstaaten, müssen jetzt handeln. Statt immer neuer Einspardebatten braucht es endlich einen Paradigmenwechsel: Care-Arbeit ist das Fundament unserer Gesellschaft und Wirtschaft und muss endlich den Stellenwert erhalten, den sie verdient."
 

Hintergrund:
In Europa werden jedes Jahr rund 39 Milliarden Stunden informelle Pflege geleistet, vor allem von Frauen. Dies entspricht einem wirtschaftlichen Gegenwert von 576 Milliarden Euro und damit rund 3,6 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Europas. Circa 90 Prozent der Pflegekräfte sind Frauen, oft in prekären Jobs. Rund 7,7 Millionen Frauen sind aufgrund von Sorgepflichten nicht erwerbstätig, bei Männern nur 450.000. Das Resultat ist eine 10 prozentige Beschäftigungslücke, eine Lohnlücke von 12 Prozent und eine Rentenlücke von 25 Prozent.

Link zum Bericht:

https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-10-2026-0083_EN.html[1]


 

Links:

  1. https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-10-2026-0083_EN.html