Während Friedrich Merz mit Scheindebatten über Teilzeit-Arbeit Schlagzeilen macht, benennt das Europäische Parlament die eigentliche Baustelle: den Gender Care Gap. Diese Lücke bei der unbezahlten Sorge- und Pflegearbeit, schließen europaweit, Tag für Tag fast auschließlich Frauen. Die EU-Kommission hat für 2027 einen sogenannten Care-Deal angekündigt. Ein Initiativbericht des Parlamentes begrüßt dies und fordert konkret nun einen EU-weiten Aktionsplan, ein Statut für pflegende Personen, bessere Bedingungen im Pflegesektor selber, aber auch für den Schutz informell Pflegender. Am Dienstag, den 24. März, nahmen der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM) und der Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (EMPL) des Europäischen Parlaments gemeinsam den Berichtsentwurf zu geschlechtsspezifischen Ungleichheiten im Pflegesektor mit 60 zu 8 Stimmen bei 12 Enthaltungen an.
Katrin Langensiepen, Grüne Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten im Europaparlament, fordert spürbare Verbesserungen:
„Der Gender Care Gap ist ein vielfach ignorierter Skandal. Frauen leisten Milliarden unsichtbarer Stunden, während Männer sich entweder noch um die Verantwortung drücken oder die Arbeitsstrukturen gegen sie arbeiten. Die EU, aber vor allem auch die Mitgliedstaaten, müssen jetzt handeln. Ein Care-Deal, der von allen wirklich ernst genommen wird, ist unausweichlich. Wir brauchen außerdem ein Investitionspacket für die Pflege im Rahmen des mehrjährigen EU-Finanzrahmens 2028–2034," so Langensiepen.
Langensiepen wird deutlich: "Machen wir uns nichts vor: 10 Tage Vaterschaftsurlaub? Lächerlich! Deutschland und Europa brauchen längeren Elternurlaub mit entsprechendem Lohnersatz. Nur so ziehen Männer endlich mit und Frauen müssen nicht alles allein stemmen. So beginnt Gleichberechtigung jenseits von Sonntagsreden.“
Langensiepen kritisiert zudem den verengten Blick der konservativen Parlamentskollegen. Diese lassen die Leistungen von Migrantinnen im Bereich der der Sorge- und Pflegearbeit komplett außen vor.
"Diese Herangehensweise verkennt nicht nur die aktuellen Realitäten, sondern ist wirtschaftlich wie gesellschaftlich kurzsichtig und gefährlich. Wer unsichere Arbeitsbedingungen, mit unfairen Löhnen und übermäßig langen Arbeitszeiten trotz besserem Wissens ignoriert, toleriert nicht nur maximale Ausbeutung und Ungleichheitbehandlung, sondern handelt fahrlässig in einem immer älter werdenden Europa," so die Europaabgeordnete.
Hintergrund:
In Europa werden jedes Jahr rund 39 Milliarden Stunden informelle Pflege geleistet, vor allem von Frauen. Dies entspricht einem wirtschaftlichen Gegenwert von 576 Milliarden Euro und damit rund 3,6 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Europas. Circa 90 Prozent der Pflegekräfte sind Frauen, oft in prekären Jobs. Rund 7,7 Millionen Frauen sind aufgrund von Sorge‑Pflichten nicht erwerbstätig, bei Männern nur 450.000. Das Resultat ist eine 10 prozentige Beschäftigungslücke, eine Lohnlücke von 12 Prozent und eine Rentenlücke von 25 Prozent.